PRESSE

 

SELBER SCHULD

Kreuzfahrt in den Wahnsinn

Gisela Oechelhaeuser gastierte am Freitagabend im Theater Zwickau.

Der Kabarettistin ging es dabei nicht nur um Pointen.


Zwickau. Manche Leute denken, die Leute - also die anderen - müssten irgendwo abgeholt werden. Sagt Gisela Oechelhaeuser. Deswegen gehen die Leute von ihrem Niveau runter, um die anderen abzuholen.

So beschreibt es die Kabarettistin am Beispiel der Informationsweitergabe, die sich von RTL-Nachrichten über das Vorabendprogramm in die Niederungen der Unterhaltung zurückarbeitet. Irgendwann treffen sich alle ganz unten, weil sie vergessen haben, die Leute nicht nur abzuholen, sondern sie auch mitzunehmen. Das sagt Gisela Oechelhaeuser zwar nicht, aber man kann drauf kommen, wenn sie mit ihrem Vortrag über die Leute fertig ist. Die Pointen sind keine Schenkelklopfer. Aber darauf kommt es auch nicht an. Die Oechelhaeuser ist längst nicht mehr darauf angewiesen, den Leuten im Publikum gefallen zu müssen. 73 Jahre ist sie jetzt, seit mehr als vier Jahrzehnten steht sie auf der Bühne, sie hat sich durch zwei Systeme gebissen und lud am Freitag die Zwickauer ein, ihr auf eine Reise durch den Wahnsinn der modernen Welt zu folgen.

Die verteilen sich in den Stuhlreihen im umfunktionierten Malsaal des Theaters. Eben noch sind sie selbst abgeholt worden. Ein Signal zum Ende der Pause ließ sie aufhorchen. Bis dahin standen sie im Regen. Nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz wörtlich, um sich vom aufgeheizten ersten Teil zu erholen. Da ging es um die Frage, was eine Dame ihren Alters anfangen könne, wenn sie kein Kabarett mehr macht. Es ging um Kreuzfahrten und um Senioren, die nicht mehr so heißen und bis zur völligen Entfettung trainieren. Das zögere den Tod hinaus, sagt sie. Denn der wisse nicht, wie er den verknöcherten Greisen beikommen kann und müsse erst die Knochensäge holen. Über Hölzchen und Stöckchen landete sie im Wald, der nur dann noch besucht wird, wenn man ihn als Abenteuerspielplatz deklariert. Die Mütter reisen in ihren SUVs an und schreien hysterisch, als eines der überbehüteten Kinder im reißenden Bach landet. Mit Gummistiefeln und nur knöcheltief - aber immerhin: in Lebensgefahr.

Das Publikum kichert, grinst, lacht auch mal. Das ist klassische Satire, genau beobachtet, gnadenlos überspitzt. Im zweiten Teil aber scheint es, als wolle die Oechelhaeuser ihre Zuhörer zurück in den Regen schicken. Sie sinniert über Krieg und Weltfrieden. Über Gutmenschen und Inkonsequenz. Fragt, was so schlecht an einer Kampfdrohne sei, wo deren Piloten den Feierabend doch bei den eigenen Kindern verbringen könnten anstatt dass zuhause aus Ehefrauen Witwen würden. Sagt, dass man Krieg nur ablehnen oder dessen Notwendigkeit akzeptieren könne. Dass man nicht für Krieg, aber gegen Drohnen sein kann. Keine Pointe. Man kann nicht über alles lachen. Aber Nachdenken darüber, das kann man.

Sara Thiel, Freie Presse, 22.05.2017

 

Psychologie der Angst: Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser ist „selber schuld“

Gisela Oechelhaeuser: Kabarettistin tritt im Bestehornhaus in Aschersleben auf

 

Aschersleben -

„Ich finde Gisela Oechelhaeuser spitze“, sagt Regina Koblischke in der Pause. Sie habe die Kabarettistin noch nie live, sondern bisher immer nur im TV gesehen. „Deshalb wollte ich auch unbedingt hierher“, begründet sie am Sonnabendabend ihren Besuch im Bestehornhaus, wo das Urgestein des politischen Kabaretts ihr nach eigenem Bekunden letztes großes Soloprogramm - „Selber schuld“ auf die Bühne bringt. Die Texte stammen wiederum aus der Feder des Autors Philipp Schaller, mit dem sie nicht nur eine jahrelange Zusammenarbeit, sondern auch eine private Freundschaft verbindet.

Intelligent, bissig und wortgewaltig wie man sie kennt, packt sie auch diesmal heikle Themen an. Ob Kampfdrohnen, Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer, irrwitziger Sprachgebrauch, Psychologie der Angst oder Umgang der Gesellschaft mit dem Alter - Frau Oechelhaeuser holt zum Rundumschlag aus. Leichte Kost ist es nicht, die die 72-Jährige serviert. Doch das erwartet auch niemand von ihr. Ihre Programme fordern das Publikum, das mitdenken soll und möchte.

Brüllend komisch ist es dennoch, wenn sie laut darüber nachdenkt, sich künftig ins Heer der Best-Ager auf einem Kreuzfahrtschiff einzureihen, um es sich so richtig gutgehen zu lassen. Inklusive Fettabsaugung to go. Einer Masse, die sich bei 3000 Passagieren nicht in Gramm und Kilogramm, sondern in Bruttoregistertonnen bemisst. Oder wenn sie darüber nachsinnt, wie es wäre, in ihrem Alter noch einmal Mutter zu werden. Vorausgesetzt, sie hätte sich rechtzeitig „ihre Eier einfrieren lassen“.

Wenn Gisela Oechelhaeuser quasi aus der Hüfte Seitenhiebe austeilt in Richtung vermeintlicher Verteidiger der abendländischen Kultur, die sonntags im gutbürgerlichen Restaurant namens „Burger King“ einkehren und italienische Kirchen in Badehosen und Flipflops besuchen, dann ist das einfach großes Kino. Entschuldigung: großes Kabarett.

Die Fremdenangst, so vermutet sie, sei wohl angeboren. Aber andere Ängste hätten wir ja auch im Griff, denkt sie zum Beispiel an die Angst fast aller Männer, „das Klo sauber zu machen. Trotzdem zünden sie keine Toiletten an.“ Sie selbst habe Angst vor Spinnen und gehe trotzdem nicht mit Transparenten in den Wald. Überdies seien Kriegs- und Hungeropfer ja sowieso ein „Fliegendreck gegen die Nöte und Ängste deutscher Mütter“.

Wenn deren überausgerüstete Sprösslinge zu ertrinken drohen, weil sie knöcheltief im Bach stehen (der auch noch Spuren von Erdnüssen enthalten könnte), fordern diese Helikoptermütter: „Sofort den Bach abstellen!“ Zum Schluss schlüpft Gisela Oechelhaeuser doch noch in eine ihrer Fremd-Rollen und erklärt als zahnlose 99-Jährige das Wesen des Kapitalismus mit Hilfe von „haben“ und „brauchen“. Dies gipfelt in der Erkenntnis, wie sie dem „Scheiß Kapitalismus“ einen gehörigen Schrecken einjagen könnte: „Ich stelle mich vors Kaufhaus und rufe rein: Ich brauche nichts!"

Kerstin Beier, Mitteldeutsche Zeitung, 24.04.2016

 

 

Bei Helene Fischer amüsiert man sich zu Tode

Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser über ihre Premiere in der Funzel, Leipzig und ihre Vergangenheit

 

Eigentlich sollte Schluss sein mit neuen Kabarettproduktionen: Nun aber präsentiert Gisela Oechelhaeuser, seit über 40 Jahren auf der Bühne, doch nochmal ein großes neues Solo. „Selber schuld“ ist am 24. November als Voraufführung und einen Tag später als Premiere in der Leipziger Funzel zu erleben. Über das erneut von Autor Philipp Schaller geschriebene Stück, über gesellschaftliche Herausforderungen und ihre Haltung zur Stasi-Vergangenheit sprachen wir mit der 71-jährigen Künstlerin.

 

Sie hatten nicht vor, noch mal ein neues Solo-Programm zu machen. Wer oder was hat Sie umgestimmt?

 

Das Alter hat den Vorzug, dass man mehr Sachen zu Ende denken kann. Der Wille wird größer, keine Gefangenen mehr zu machen, Dinge auf den Punkt zu bringen – auch bei mir. Das hat den Ausschlag gegeben, auch mit künstlerischen Folgen: Es gibt keine meiner eingespielten Figuren mehr.

 

Warum nicht?

 

Durch die Figur der 99-jährigen Frau Müller konnte ich geschützt Sachen zuspitzen, ohne Rücksicht aufs Publikum nehmen zu müssen. Jetzt möchte ich das selbst tun, als 71-jährige Kabarettistin, die Fragen stellt.

 

Welche Fragen sind das?

 

Wenn ich für Krieg bin, muss ich dann für Drohnen sein? Will ich mich in die Vergnügungssucht stürzen, will ich aufs Kreuzfahrtschiff und mir das Fett absaugen lassen oder bin ich bereit, über die Reling hinaus die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer wahrzunehmen? Was passiert, wenn ich Verantwortung übernehme? Oder ist es besser, in meiner Gummizelle zu bleiben und schwierige Themen auszublenden? Da tut es nicht mehr weh, man hat allerdings auch keine Orientierung mehr und landet irgendwann bei Helene Fischer. Das ist auch eine Art Drohne, eine menschliche.

 

Die Fischer scheint nach Heesters und Silbereisen als Feindbild von Kabarettisten Mode zu werden ...

 

Sie ist perfekt, und das ist das Schlimme. Als ich Udo Jürgens zu seinem 80. Geburtstag im Fernsehen zugehört habe, sprach da ein leidenschaftlicher Künstler, der Fragen sucht und stellt und der einen berühren kann. Fischer stellt keine Frage, bei ihr amüsiert man sich einfach zu Tode.

 

Angst spielt in „Selber schuld“ eine große Rolle.

 

Ja. Angst, weil durch Zweifel daran, dass wir als Gesellschaft der bevorstehenden Veränderung gewachsen sind. Durch das Abkommen von Dublin hat man geglaubt, man habe seine Ruhe. Jetzt sind die Flüchtlinge da, und das kann auch eine Bereicherung sein. In „Selber schuld“ geht es übrigens nicht darum, sich auf eine Seite zu schlagen. Ich erhebe keine Anklage, sondern es geht um das Kunststück einer Feststellung aggressiven und gleichzeitig gelassenen. Das ist böse und wird gleichzeitig sehr unterhaltsam.

 

Sie sind in Ostpreußen geboren, Ihre Familie musste 1945 fliehen. Fühlt man sich denen, die nun nach Deutschland kommen, stärker verbunden als andere?

 

Für mich war die harte, unmittelbare Nachkriegserfahrung prägend. Ich habe meinen Enkeln gesagt: Wenn es nichts zu essen gäbe, würde ich mit ihnen dahin gehen, wo es etwas gibt – und dafür auch viel auf mich nehmen. Das ist nur logisch.

 

Generiert die aktuelle Lage die Verpflichtung für möglichst politisches Kabarett?

 

Unbedingt, aber unterhaltend und dennoch nicht mit einer der Zielstellung, breiten Konsens herzustellen. Wenn das Publikum denkt: „Die hat recht, früher war alles besser“ – sowas will ich nicht, auch sowas macht mir Angst.

Sie leben schon lange in Berlin – warum finden Ihre Premieren immer in der Leipziger Funzel statt?

Berlin ist unglaublich groß, es gibt jeden Tag ein paar tausend Veranstaltungen. In Leipzig hat mein Kabarettleben begonnen, ich fühle mich dorthin gezogen, ich habe in der Funzel mein Publikum und mache dort immer schöne Erfahrungen.

 

Sie sind regelmäßig in Leipzig – gibt es noch eine Art Sehnsucht nach den Academixern, wo sie immerhin in den 80er Jahren Geschichte mitgeschrieben haben?

 

Ich habe Kontakt zu Katrin Hart und ihrer Tochter Elisabeth und schaue mir auch deren Programm an. Die Academixer sind andere geworden, deshalb gibt es keine enge Verbindung mehr dorthin. Außerdem hab ich ein Jahr geheult, als ich von den Mixern weg musste, da war ich gezwungen, einen Strich zu ziehen.

 

Warum mussten Sie weg?

 

Weil mein damaliger Mann Dietmar Keller als stellvertretender Kulturminister in Berlin antrat. Da musste ich halt mit, es war furchtbar.

 

In einem Interview haben Sie gesagt, Sie haben im Erleben zweier Systeme unter Schmerzen herausfinden können, dass Sie sich treu geblieben sind. Können Sie diese Schmerzen beschreiben?

 

Treu in der Risikobereitschaft, mich Neuem gegenüber zu öffnen. Mir war immer wichtig, meine Fragen auf den Tisch zu legen und die Antworten auszuhalten, und das kann schmerzhaft sein. Ich weiß, die Unterschrift als IM scheint das Gegenteil zu beweisen, dessen bin ich mir bewusst.

Sie waren IM von 1976 bis 79, 1990 wurde das bekannt. Kämpfen Sie noch mit sich oder haben Sie ihren Frieden damit gemacht?

 

Weder das eine noch das andere. Ich zitiere meinen Freund, den Schriftsteller Christoph Hein, der an seinem 70. Geburtstag meinte: „Wenn ich an mein Leben in der DDR denke, sagt meine Erinnerung: Das bin ich gewesen. Mein Stolz sagt: Das kann ich nicht gewesen sein. Irgendwann gibt die Erinnerung nach.“ Ich tue gut daran, die Erinnerung wach zu halten, dass ich aus Leichtfertigkeit und Überheblichkeit heraus dachte, etwas beeinflussen zu können. Eine sehr schmerzliche und traurige Erfahrung. Aber man kann trotzdem leben und lachen. Das Eingeständnis ist der Schlüssel dafür, dass ich Luft holen kann.

 

Macht das Alter Sie zornig oder weise?

 

Mich macht vieles verzweifelt. Als junge Frau habe ich geglaubt, dass es keinen großen Krieg mehr geben wird. Als 71-Jährige sage ich mit Heiner Müller: „Die Enden sind offen.“

 

Wie gehen Sie damit um?

 

Mit praktischer Ablenkung im Alltag. Ich spiele mit meinen Enkeln, ich höre Musik, ich koche. Oder ich mache Kabarett.

 

Das Textbuch stammt erneut von Philipp Schaller. Haben Sie dieselbe Weltanschauung?

 

Ja, es ist derselbe Blick. Wir sind auch privat mit unseren Familien viel zusammen. Philipp stellt gerade viel Kultur in Flüchtlingsheimen auf die Beine. Wir telefonieren ständig und reden darüber, wie wir leben müssen und wollen. Wenn die mich bei der Distel nicht rausgeschmissen hätten, hätte ich die wichtigsten künstlerischen Arbeiten wohl nicht gemacht.

Mark Daniel, 21.11.2015

 

 

 

Aufklärung über die Psychologie der Angst

Gisela Oechelhaeusers neues Solo „Selber schuld“

 

Es klingt ein bisschen wie beim Speeddating, als die ewig junge Humoristin sich am Mittwochabend kurz und knackig dem Publikum vorstellt: „Ich bin Gisela, 71, ich mach’ Kabarett.“ Gisela Oechelhaeuser ist zurück. Obwohl die frühere Academixerin eigentlich kein neues Solo mehr erarbeiten wollte, hat es sie doch noch einmal gejuckt. In der knackevollen Funzel feierte ihr Programm „Selber schuld“ Premiere. Und wie beim Speeddating bekommt der Zuschauer verschiedene Gesichter zu sehen – in diesem Fall allerdings keine Figuren, sondern stets die Oechelhaeuser: die versierte alte Bühnenhäsin, die zuverlässig die Pointen zündet; die bitterböse Kritikerin, die heikelste Themen auf die Spitze treibt; aber auch die selbstreflektiert-nachdenkliche Analystin der Gesellschaft. Offensichtliches Lieblingssujet ist der Kampf mit dem Alter – aber nicht nur in ihrer Lebensphase. Denn auch allzu besorgte Helikopter-Mütter ringen mit dem Stress, wenn der mit Outdoor-Equipment überausgerüstete Sohnemann im knöchelhohen Wasser zu ertrinken droht: „Sofort den Bach abstellen!“ Da bietet es sich doch an, erst mit der Gelassenheit des hohen Alters Nachwuchs zu schaffen, hier geht Oechelhaeuser schonungslos auch mit der eigenen Alterskohorte ins Gericht: „Im Alter hat man ja genug Zeit, das Kind trocken zu kriegen, so lange ich es selbst noch bin. Und wenn es noch nicht sprechen kann, wird man auch nicht ins Heim abgeschoben.“

Die Best Ager, wie die Senioren im Marketingsprech tituliert werden, bekommen im Sinne des Wortes ihr Fett weg: Auf dem Kreuzfahrtschiff gibt’s für die Älteren Fettabsaugen to go, die Tonnen an Körperüberschuss landen dann in der Kombüse – als Anbratfett für das Wiener Schnitzel der Passagiere: „Liebling, das Fleisch riecht wie du.“ Derart gelungene Bilder im Kopf zeugen von der fruchtbaren Fusion zwischen Gisela Oechelhaeuser und ihrem langjährigen und über drei Jahrzehnte jüngeren Autor Philipp Schaller. Intern dürfte der viel zitierte Generationenkonflikt also überwunden sein, als Thema auf der Bühne liefert er eine Frischzellenkur für das Zwerchfell.

Doch auch der Umgang mit dem Thema Flüchtlinge bietet der Kabarettistin viele Steilvorlagen für gesellschaftskritische Gags. Warum die überhaupt Flüchtlinge würden und nicht was anderes machen – die könnten doch auch Steuerfachangestellter werden oder Wedding Planer. Dabei nimmt sie im gesamten Programm irrwitzigen Sprachgebrauch auseinander; wie Merkels Aussage der „unbefriedigenden Situation“ im Mittelmeer, die Tausende das Leben kostet, oder auch den aufkommenden Kampfbegriff des „besorgten Bürgers“ („Hitler war ja auch ein besorgter Bürger, als die Russen vor Berlin standen“).

Die 71-Jährige belässt es nicht beim Vorführen, sondern versucht auch aufzuklären über die Psychologie der Angst, dass man sich wünscht, mit Teilen des Stücks via Lautsprecher die nächste Legida-Demonstration zu beschallen. Und Frau Oechelhaeuser zur wohlverdienten Belohnung für den frischen und ausgereiften Austritt auf eine Kreuzfahrt zu schicken – ohne Schnitzel.

Markus Gärtner, LVZ 27.11.2015

 

BERUHIGT EUCH! SCHÖNER WIRDS NICHT!

 

[…] es war der Hammer, den da die promovierte Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser mit „Beruhigt Euch! Schöner wird's nicht!“ auspackt. Nicht den plumpen, lauten Schmiedehammer, mit dem heute jeder arenenfüllende Comedian auf Nerven und Zwerchfell und um sich haut, sondern ganz ihrer ersten Profession folgend, sie ist gelernte Industrieuhrenmacherin, sehr präzise ihre Pointen setzend, was den Schmerz nicht mindert. Der nimmt zuweilen jegliche Luft zum Lachen. […] Der Saal ist voll, die Gäste rollen aus der weiteren Umgebung an, um diese seltener gewordene Art von Kabarett zu genießen oder eben jenen Schmerz zu verspüren, den sehr gute Kabarettisten mit Top-Texten bereiten können, weil ihre Vorlagen in Richtung Hirn zielen und nicht unter die Gürtellinie. [...] Das Programm wirkt böse, noch böser als sonst bei der Oechelhaeuser, und so voll aus dem Leben gegriffen. [...] Mit „Beruhigt Euch! Schöner wird’s nicht!“ schenkt Gisela Oechelhaeuser keinen kabarettistischen Baldrian aus. Sie beunruhigt mehr. Das vordergründige Lachen ist ihre Sache nicht. Bitterkeit ebenso wenig, auch, wenn manche der Pointen so schmeckt.
zu "Beruhigt Euch! Schöner wird's nicht!", Mitteldeutsche Zeitung

 

 

ALLGEMEINE MOBILMACHUNG

 

Herrlich, doppelbödig, scharf
"Allgemeine Mobilmachung", Cellesche Zeitung

 

 

Oh ja, es wurde viel gelacht im ausverkauften Dresdner Kabaretthaus. Doch man sah auch in manch nachdenkliches Gesicht. Nachdenklichkeit ist steigerungsfähig, das kann bis zur offenen Wut gehen. Auf dieser großen Gefühlsskala spielt die Oechelhaeuser brillant. Man lacht lauthals, obwohl einem sehr zum Weinen ist. Weil all die gebotenen Texte ausschließlich aus der Realität schöpfen.
"Allgemeine Mobilmachung", Dresdner Neueste Nachrichten

 

 

"Das ist intelligentes Kabarett, betörend und verstörend zugleich."
"Allgemeine Mobilmachung", Lausitzer Rundschau

 

Brillanter Spott mit Gisela Oechelhaeuser

[...] das grandiose Rezept, das Oechelhaeusers neues Programm „Allgemeine Mobilmachung“ auszeichnet: das Gegenteil vom Gemeinten zu spielen, das Untertunneln der Figuren plus Aushebeln kabarettistischer Gewohnheiten. Frei von Polemik oder Häme hält sie Kollegen den Spiegel vor, die sich mit Konsens-Botschaften wie „Hartz IV ist scheiße“ über Wasser und für Satiriker halten. Das neue Programm der Berlinerin scheut das Anbiedern und entfaltet eine doppelbödige Komik, unter der bitterer Zorn und Provokation wohnen. [...]
Ein Programm mit neuen Blicken auf hinlänglich Ausgeschlachtetes, das nicht einfach um „Genau-so-ist-es“-Nicken im Publikum buhlt. Treffend und spöttisch-leicht spielt Gisela Oechelhaeuser das, was Autor Philipp Schaller mit tiefschwarzer Tinte und ohne Pointenhatz auf den Punkt gebracht hat. Die Regie von Peter Tepper legt das Funkelnde frei, forciert Oechelhaeusers Pendeln zwischen Wut und Lachen und spart Firlefanz aus. Klasse!
Mark Daniel, LVZ, 02.05.08